Wie schreibe ich hochwertige Texte? – Eine Checkliste

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Kein laut schreiender Panda, kein quietschender Pinguin mehr. Still und leise sollen die nächsten Algorithmus-Updates von Google erfolgen. Damit wird Googles Rat an Webmaster “Make pages for users, not for search engines” mehr Nachdruck verliehen, wie es Blogger Martin Bahls bereits vor etlichen Wochen formuliert hat. Webseiten, die für Nutzer gemacht sind, bieten diesen einen Mehrwert, der durch „hochwertigen Content“ erreicht wird. Natürlich spielen noch weitere Kriterien eine Rolle. Doch heute soll es uns nur um den Content, speziell um die Texte auf einer Webseite, gehen.

Warum ist hochwertiger Content so wichtig?

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, noch einmal kurz zurück zum Wert des Contents. Warum ist  er so wichtig für Google? Das Ziel von Google und auch von anderen Suchmaschinen ist es, ihre Nutzer zufriedenzustellen. Der Nutzer ist dann zufrieden, wenn er ohne viel Zeitaufwand eine passende Lösung oder Antwort auf seine Suchanfrage erhält – ob er jetzt eine neue Jeans sucht oder ein Problem mit seinem Smartphone hat. Hierfür sortiert Google die Webseiten aufgrund unterschiedlicher Kriterien. Da man bei hochwertigem Content davon ausgehen kann, dass er den Nutzer am ehesten zufriedenstellt, ist er auch für Google’s Bewertung relevant. In direktem Zusammenhang mit dem Content steht auch die Absprungrate bzw. die Verweildauer, ein weiteres Rankingkriterium von Google. Hochwertiger Content hält den Nutzer auf der Seite: Wer sich wohlfühlt auf einer Seite, zum Beispiel einen interessanten Text liest, hält sich dort länger auf. Wer mit der Lösung des Problems oder dem Angebot zufrieden war, kommt wieder.

Hochwertiger Content nutzt damit jedem: Dem Nutzer, dem Seitenbetreiber und Google. Es macht also Sinn, sich um hochwertigen Content zu bemühen. Doch spätestens hier beginnt das Grübeln: Was ist hochwertiger Content?

Zunächst einmal: Mit Content ist der gesamte Inhalt einer Webseite gemeint: Bilder, Videos, Texte etc. Alle Faktoren müssen stimmen, um hochwertigen Content zu erreichen. Bilder und Videos scheinen bei den meisten Seiten auch gar nicht das Problem zu sein. Es sind vielmehr die Texte. Deswegen erklären wir hier, was einen hochwertigen Text ausmacht.

Was macht einen guten Text aus?

Viel zu oft begegnen mir auf Webseiten Texte mit Fehlern bei der Zeichensetzung, der Grammatik und dem Satzbau. Mit logischen Brüchen, unzusammenhängenden Sätzen, fehlenden Satzteilen und konfuser Gliederung – aneinandergereihte Aussagen ohne Verbindung. Mit schlecht recherchierten Fakten und falschen Angaben. Texte, die nur dazu da sind, Keywords zu enthalten, aber keinerlei Inhalte transportieren. Derartige Texte haben definitiv nichts mit hochwertigem Content zu tun und schaden langfristig der Webseite. Nicht nur, weil sie den Nutzer nicht ansprechen, sondern auch weil man Gefahr läuft, dass Google die Webseite nicht mehr als relevant einstuft.

Grafik: Was macht einen hochwertigen Text aus

Ein guter Text hingegen ist immer die Summe seiner Bausteine. Angefangen beim Inhalt und der Sprache, bis hin zur Zielgruppenansprache und zu formalen Punkten wie der Gliederung und dem Layout:

Checkliste für hochwertige Texte

1. Verständlichkeit

In erster Linie ist ein Text dann gut, wenn er für den Leser verständlich ist. Eine gute Richtlinie für die Beurteilung der Verständlichkeit eines Textes ist das Hamburger Verständlichkeitsmodell. Das Modell nennt

  • Einfachheit
  • Gliederung
  • Prägnanz
  • Anregung

als die wichtigsten Kriterien für einen verständlichen Text. Zur Beurteilung und Überprüfung der Verständlichkeit von Texten möchte ich auf einen älteren Beitrag verweisen.

2. Fehlerfreiheit

Ein guter Text ist grammatikalisch richtig und enthält keine Tippfehler. Sicherlich übersieht jeder mal den einen oder anderen Fehler, selbst ich bin nicht völlig fehlerfrei. Oft ist man nach dem zigsten Durchlesen auch einfach „Fehler-blind“. Man kann sich aber immer behelfen, indem man eine andere Person bittet, den Text zu lesen. Oder indem man ein Tool zur Textanalyse wie das Wortliga Tool oder ein Rechtschreibprüfungsprogramm nutzt. Auch Google nutzt bei der Beurteilung von Webseiten Programme zur Überprüfung von Rechtschreibung und Grammatik.

3. Optimale Keyword-Dichte und WDF*IDF

Ein guter Text enthält die Keywords, über welche Nutzer auf die Seite kommen sollen. Je höher die Keywordrelevanz im Content ist, desto höher wird die Seite von Google eingestuft. Jedoch ist die Überoptimierung des Contents auf die Keywords der falsche Weg. Kein Nutzer liest gerne Texte, deren Sätze aus den immer gleichen Wörtern bestehen, und auch Google sieht Keyword-Stuffing nicht gerne.

Es gibt eine Vielzahl an Tools, mit denen man sowohl die Keyworddichte als auch Karl Kratz‘ berühmte Formel WDF*IDF für einen Text auswerten kann. Tools wie Seolyze spucken in der Analyse weitere Begriffe aus, die der Text enthalten sollte. Der Hintergrund des Ganzen: Google berücksichtigt neben dem Hauptkeyword auch Synonyme und Nebenbegriffe, die mit dem Keyword in semantischem Zusammenhang stehen. Bei der Erstellung von hochwertigen Texten sollte man sich daher nicht nur auf das Keyword konzentrieren, sondern auch an verwandte Wörter denken.

4. Textaufbau

Ein Text ohne Struktur ist eine Aneinanderreihung von Sätzen ohne logischen Zusammenhang, denen der Leser nur schwer folgen kann. Ein guter Text ist stattdessen durchdacht, hat einen logischen Aufbau und leitet den Leser an dem berühmten roten Faden. Man sollte sich vorher den Aufbau und die Argumentation des Textes überlegen: Welche Inhalte sollen vermittelt werden? Was sind die Kommunikationsziele? Wie lassen sich die Informationen sinnvoll gliedern? Für die Verständlichkeit ist es wichtig, nur einen Gedanken pro Satz zu vermitteln und Sinnzusammenhänge in Absätze zu gliedern.

5. Verständliche und lebendige Sprache

Die meisten Texte in Onlinemedien werden von einem breiten Publikum gelesen. Aus diesem Grund ist es wichtig, in einem allgemeinverständlichen und lebendigen Stil zu schreiben. Die Merkmale eines solchen Sprachstils sind:

  • Kurze Sätze
  • Einfache Wörter aus der Alltagssprache
  • Verben anstelle von Nominalisierungen
  • Vergleiche, Metaphern und Adjektive.

Da Sätze stets als Einheit verarbeitet werden, sind kurze Sätze einfacher zu verstehen als lange Schachtelsätze. Fremdwörter und Fachwörter sind auch so ein Thema. Sie gehören zwar manchmal in einen Text hinein, doch sind sie für einen Laien ohne Erklärung in der Regel nicht verständlich. Deshalb sollten sie, wenn man sie verwendet, im Anschluss erklärt werden. Verben wirken sehr lebendig, während wir Substantive als starr empfinden. Ein Text der viele Nominalisierungen anstelle von Verben enthält, wird daher vom Leser als trocken und kompliziert wahrgenommen. Darüber hinaus ist er auch noch schwer verständlich. Zur Lebendigkeit tragen auch Vergleiche, Metaphern und Adjektive bei, durch die eine bildhafte Sprache entsteht.

6. Wahrheit

In einem guten Text stimmen die Fakten. Denn Unwahrheiten und ungenaue Fakten, die der Leser für bare Münze nimmt, können durchaus schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Es ist also die Pflicht des Texters, seine recherchierten Informationen zu überprüfen.

7. Aktualität

Aktualität meint zum einen das Thema eines Textes, zum Beispiel eines Blogbeitrages. Veraltete Themen, die schon hundertmal ausgelutscht sind, mag keiner lesen. Texte sollten daher aktuelle Themen aufgreifen oder neue Sichtweisen darstellen. Doch Aktualität betrifft nicht nur das Thema des Textes. Alte Texte, die schon lange auf einer Webseite stehen, sind weniger hochwertig als neue Texte. Man sollte daher darauf achten, regelmäßig neuen Content zu erstellen. Die Zeitabstände sind dabei natürlich je nach Webseite unterschiedlich, denn für eine Newsseite oder einen Blog sind neue Texte natürlich wichtiger als für einen Online-Shop.

8. Einzigartigkeit

Frische, spannende, noch nicht da gewesene Inhalte machen einen Text zu einem guten Text. Inhalte wiederkauen kann jeder. Darüber hinaus sollte ein Text auch sprachlich möglichst einzigartig sein. Ein eigener Stil kann hier Abhilfe und Wiedererkennungswert schaffen. So wie das Corporate Design die Identität des Unternehmens widerspiegelt, sollte es auch die Sprache in den Texten tun. Auch sollte man versuchen, Wörter, die typisch sind für bestimmte Branchen oder Themen, zu vermeiden, und durch unverbrauchte Wörter zu ersetzen. Zum Beispiel liest man in Modetexten sehr oft Wörter wie angesagt oder trendig. Spätestens nach dem zehnten Modetext kommen dem Leser diese Adjektive zu den Ohren raus.

9. Leseransprache

Ein Text ist gut, wenn sich der Autor in den Leser hineinversetzt hat. Was erwartet der Leser, wenn er auf meine Webseite kommt? Wie kann ich ihm die Suche nach der Problemlösung erleichtern? Zur Leseransprache gehören außerdem die Texttonalität sowie die direkte Ansprache des Lesers. Hierfür ist es wichtig, die eigene Zielgruppe zu kennen, um zu beurteilen, ob der Stil sachlich-nüchtern oder locker-vertraut sein soll, ob siezen oder duzen angebracht ist. Auf einer Webseite wie einem Gründermagazin, das Unternehmern Informationen zu wirtschaftlichen und steuerrechtlichen Themen bietet, sollte ein seriöser Ton dominieren, der für die Verlässlichkeit der Informationen steht. Auf einem Familienblog, der dem Erfahrungsaustausch von Eltern dient, sollte man in einem einfachen, lockeren Stil schreiben, der Vertrautheit vermittelt.

10.  Den Leser einfangen

Es ist eine Kunst, den Leser bereits mit der Überschrift und der Einleitung einzufangen. Wecken diese beide das Interesse des Lesers nämlich nicht, liest er in den meisten Fällen den Text gar nicht erst bis zum Ende. Überschrift und Einleitung müssen deshalb zwei Dinge erfüllen: Deutlich machen, was das Thema des Textes ist, und Lust machen, den Text zu lesen. Dies erreicht man, indem man Problembewusstsein schafft und ein konkretes Problem beschreibt, das der Leser so oder so ähnlich hat. Oder indem man die Neugierde des Lesers auf den weiteren Textinhalt weckt. So einfach das klingt, so schwierig ist es oft. Es ist tatsächlich eine regelrechte Gratwanderung: Interesse zu wecken und das Thema zu erklären, ohne zu viel zu verraten. Wichtig ist dabei auch, dass der Leser bereits nach der Einleitung wissen muss, dass der Text ihm bei der Suche nach einer Problemlösung weiterhilft. Und da kommen wir gleich zum nächsten Punkt:

11. Konkrete Ergebnisse liefern

Der Text muss halten, was Titel und Einleitung versprechen. Es gibt genug Texte, die anfänglich vielversprechend scheinen, doch am Ende ist man von ihnen enttäuscht, weil sie nicht die erhoffte Antwort enthalten. Der Text muss konkrete Lösungen vorschlagen oder ein konkretes Fazit bieten, und darf nicht nur aus leerem Blabla bestehen.

12. Layout

Nicht zuletzt gehört auch das Layout zu einem guten Text. Wir sind „Augentiere“ und nehmen einen Text zuerst visuell in seiner Gesamtheit wahr, bevor wir ihn lesen. Lange Textblöcke sind visuell unattraktiv, sie bieten keine Lese-Einstiegshilfen. Besser sind kurze Textblöcke, die zudem aufgelockert werden sollten – durch Zwischenüberschriften, Bilder, Tabellen, Aufzählungen etc. Das Layout führt das Auge beim Lesen, und Absätze zeigen uns, dass ein neuer Gedanke kommt. Das unterstützt den Leser, den Gedanken des Autors zu folgen und die Informationen zu verarbeiten. Wichtige Informationen, die durch Fettungen und Kursivierungen hervorgehoben sind, werden vom Leser schneller wahrgenommen. Bilder sowie Tabellen und Diagramme visualisieren den Text und unterstützen das Verständnis.

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