ChatGPT-Traffic-Tracking: UTM-Bug nach Update auf GPT-6

ChatGPT-Traffic-Tracking: UTM-Bug nach Update auf GPT-6

19.10.202604 min

Rund eine Woche lang sah es in vielen Google Analytics-Reports so aus, als wäre der Traffic aus ChatGPT eingebrochen. Nach dem Rollout von GPT-6 fehlte bei zahlreichen Links der Tracking-Parameter utm_source=chatgpt.com. Die Besuche landeten deshalb in Google Analytics im Kanal „Direct“. Inzwischen ist klar: Es handelte sich um einen Bug, der seit dem 15. Oktober 2026 behoben ist.

Was ist passiert?

Am 7. Oktober hat OpenAI GPT-6 für zahlende Nutzer eingeführt, einen Tag später folgte der Rollout in die Gratisversion von ChatGPT. Ab dem späten Abend des 8. Oktober fehlte vielen Links in ChatGPT plötzlich der UTM-Parameter utm_source=chatgpt.com. Außerdem öffnete ChatGPT die Links in einem neuen Tab mit den Attributen „noopener, noreferrer“, wodurch auch der Referrer nicht mehr übertragen wurde.

Damit fehlten Google Analytics 4 (GA4) beide Hinweise auf die Herkunft der Besucher. GA4 konnte die Besuche also nicht mehr ChatGPT zuordnen und hat sie stattdessen als direkte Zugriffe gezählt.

Betroffen waren vor allem Links, die direkt im Antworttext stehen, sogenannte Inline-Links. Davon gibt es mit GPT-6 deutlich mehr, denn ChatGPT antwortet jetzt oft im neuen Format Intelligent UI, also mit Diagrammen, Vergleichen und kleinen interaktiven Elementen. Links im Quellenbereich und Shopping-Links behielten ihre Kennung dagegen weitgehend.

Der Traffic war nie weg – er wurde nur falsch zugeordnet. Eine rückwirkende Korrektur ist aber nicht möglich!

Entwarnung: Es war ein Bug

Am 14. Oktober bestätigte OpenAI, dass es sich um einen bekannten Fehler handelt. Am 15. Oktober wurde die Korrektur ab etwa 11 Uhr ausgerollt. Am Abend desselben Tages waren bereits wieder 95 bis 100 Prozent der Klicks mit dem UTM-Parameter versehen.

Eine öffentliche Stellungnahme von OpenAI gibt es bislang nicht, auch die ChatGPT-Release-Notes erwähnen weder den Fehler noch den Fix. Die Bestätigung stammt also indirekt aus der Kommunikation mit Adobe.

Der Verlauf im Überblick

Datum
Ereignis
7. Oktober
GPT-6 startet für zahlende ChatGPT-Nutzer
8. Oktober
Rollout in der Gratisversion; ab dem späten Abend fehlt vielen Links die UTM-Kennung
9. bis 13. Oktober
Ausgewiesener ChatGPT-Traffic bricht ein, Direct-Traffic steigt
14. Oktober
OpenAI bestätigt den Fehler gegenüber Adobe
15. Oktober
Fix wird ausgerollt, 95 bis 100 % der Klicks sind wieder getaggt

Warum das Tracking von ChatGPT-Traffic so fragil ist

Um zu verstehen, warum ein einziger fehlender UTM-Parameter so große Auswirkungen hat, lohnt sich ein Blick auf die zwei Signale, die Analytics-Tools zur Quellenzuordnung nutzen:

UTM-Parameter: ein Zusatz an der URL (z. B. ?utm_source=chatgpt.com), den Tools wie GA4 auslesen, um die Quelle eines Besuchs festzulegen.

Referrer: eine Information, die der Browser beim Klick mitschickt und die verrät, von welcher Seite ein Besucher kommt.

Das Problem: ChatGPT übermittelt den Referrer bei den meisten Klicks nicht. Daran hat auch der Fix nichts geändert. Besonders bei mobilen Besuchen aus der ChatGPT-App hängt die Zuordnung fast vollständig am UTM-Parameter. Fällt er weg, ist ChatGPT als Quelle in Deinen Daten praktisch unsichtbar.

Was Du jetzt in Deinem Reporting tun solltest

Auch wenn der Fehler behoben ist, bleiben Spuren in Deinen Daten. Diese Schritte helfen Dir, sauber damit umzugehen:

  1. Zeitraum markieren: Lege in GA4 eine Anmerkung für den 8. bis 15. Oktober 2026 an. So interpretiert niemand den Knick später als echten Einbruch.
  2. Keine rückwirkende Korrektur erwarten: GA4 speichert die Quelle zum Zeitpunkt des Besuchs. Der Fix ändert die bereits erfassten Daten nicht.
  3. ChatGPT und Direct gemeinsam auswerten: Vergleiche beide Kanäle auf Seitenebene mit der Vorwoche. Besonders Deine Startseite und Seiten, die vorher viel ChatGPT-Traffic hatten. So erhältst Du eine grobe Schätzung des verdeckten Anteils.
  4. Rückkehr des Parameters prüfen: Kontrolliere im Bericht Traffic-Akquisition, ob die Sitzungsquelle chatgpt.com wieder im gewohnten Umfang auftaucht.
  5. Eigene UTM-Parameter nutzen: Wo Du die Links selbst steuerst – etwa bei ChatGPT Ads – setzt Du eigene Parameter. Diese waren vom Bug nicht betroffen.
  6. Sichtbarkeit unabhängig von Klicks messen: Erfasse, wie oft Deine Marke in KI-Antworten genannt oder zitiert wird. Ein AI-Visibility-Monitoring liefert Dir Daten, die nicht von Tracking-Parametern abhängen.

FAQ zum Tracking von ChatGPT-Traffic

Warum wurde ChatGPT-Traffic in GA4 als „Direct“ angezeigt?

Nach dem Rollout von GPT-6 fehlte vielen Links in ChatGPT der UTM-Parameter utm_source=chatgpt.com. Da ChatGPT zusätzlich keinen Referrer übermittelt, konnte GA4 die Quelle nicht erkennen und hat die Besuche als direkte Zugriffe gezählt.

Ist der Traffic aus ChatGPT wirklich zurückgegangen?

Nein. Die Analysen zeigen, dass die Besuche weiterhin stattgefunden haben. Sie wurden nur dem Kanal „Direct“ statt ChatGPT zugeordnet.

Kann ich die Daten vom 8. bis 15. Oktober nachträglich korrigieren?

Nein, GA4 korrigiert bereits erfasste Sitzungen nicht. Du kannst den Zeitraum aber markieren und über den Vergleich von Direct- und ChatGPT-Traffic mit der Vorwoche abschätzen, wie viele Besuche betroffen waren.

Wo finde ich ChatGPT-Traffic in Google Analytics 4?

Im Bericht Traffic-Akquisition erscheinen Besuche aus ChatGPT mit der Sitzungsquelle chatgpt.com, vorausgesetzt, der Link enthält den UTM-Parameter.

Fazit

Der UTM-Bug nach dem GPT-6-Rollout war zwar schnell behoben, zeigt aber, wie fragil die Messung von KI-Traffic aktuell ist: Ein einzelner fehlender URL-Zusatz reicht aus, damit ein ganzer Kanal aus den Reports verschwindet. Wer ChatGPT-Traffic zuverlässig bewerten möchte, sollte sich deshalb nicht allein auf Klickdaten verlassen, sondern Direct-Traffic, KI-Referrals und die Sichtbarkeit in KI-Antworten gemeinsam betrachten.

Autor

Alina Runge
Alina Runge Werkstudentin Marketing

Alina Runge studiert Mediendesign an der IU. Sie untersützt das Marketing-Team bei der Contenterstellung und Vermarktung der Agentur über die Social-Media-Kanäle sowie der Durchführung von Events. Außerdem ist Alina nebenbei als Fotografin selbständig.